17.02.2025
Matratzenindustrie: Offener Brief an Wirtschaftsminister Habeck
Die Mitglieder des Fachverband Matratzen-Industrie wenden sich mit diesem offenen Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, um auf die unfaire Wettbewerbssituation durch Online-Plattformen wie Temu und Shein aufmerksam zu machen. Diese Plattformen umgehen den Angaben des Verbands zufolge, europäische Sicherheits- und Qualitätsstandards und setzen deutsche Unternehmen durch Dumpingpreise massiv unter Druck. Zudem bergen viele der angebotenen Produkte erhebliche Risiken für die Gesundheit der Verbraucher, so die Mitglieder weiter.
Um diesen Missständen entgegenzuwirken, fordert der Verband konkrete Maßnahmen wie strengere Marktüberwachung, konsequente Umsetzung bestehender Produktsicherheitsrichtlinien, die Einführung eines digitalen Produktpasses sowie eine Reform der Zoll- und Lieferstrukturen. Nur durch entschlossenes politisches Handeln kann ein fairer Wettbewerb sichergestellt und der Schutz der Verbraucher in Deutschland und Europa gewährleistet werden.
Diese Forderungen haben die Mitglieder des Verbands zusammengestellt:
1. Konsequente Marktüberwachung für Direktimporte etablieren und sicherstellen: Regelmäßige Produktkontrollen zur Einhaltung der Sicherheitsstandards der EU durchführen und bei Verstößen Bußgelder bzw. Verkaufsverbote aussprechen.
2. Produktsicherheitsverordnungen und Produkthaftungsrichtlinie konsequent umsetzen: Sicherheitsbehörden personell und digital besser ausstatten, um den Austausch auch über Ländergrenzen hinweg zu gewährleisten und bestehende Gesetze durchzusetzen.
3. Digitaler Produktpass (DPP): Der DPP erlaubt mittels Daten zu Herkunft, Inhalt und Wiederverwertbarkeit des Produktes die Rückverfolgbarkeit und macht Direktimporte transparenter. Ein Produkt darf nur in den europäischen Markt gelangen, wenn es mit einem DPP ausgestattet ist. Die Richtigkeit der Angaben im DPP muss überprüft werden (ggf. mittels Big Data und KI).
4. Lieferstruktur und Zollbestimmungen anpassen: Container mit Inhaltsverzeichnissen ausstatten, um Kontrollmöglichkeiten und die Identifikation minderwertiger Materialien, irreführender Angaben und gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe zu erleichtern. Beanstandete Waren abfangen und auf einen Index setzen (ggf. mittels Big Data und KI).
5. Rückverfolgbarkeit der Produkte: Kontaktdaten der chinesischen Importeure erfassen, um ggf. einen Einfuhrstopp gegen einzelne Produktionsadressen auszusprechen (Stichwort „Briefkastenfirma“).
6. Kontrollstrukturen/Clearingsysteme über Ländergrenzen hinweg: Zusammenarbeit europäischer Sicherheitsbehörden und Zoll mit chinesischem Zoll, Provinzregierungen und Ministerien sowie gegenseitige Vernetzung der zuständigen Behörden (D/EU/CN) etablieren.
7. Digital Service Act (DSA) konsequent anwenden: Durch den DSA wird ein europäischer Rechtsrahmen mit Strafverfolgungs- und Marktüberwachungsbehörden geschaffen, der z. B. die Entfernung von gefälschten Produkten von der Plattform gewährleistet.
8. Zollfreigrenze (150 €) SOFORT abschaffen: Der Zollwert (150 €) ist der Importpreis und nicht der Retailpreis. Chinesische Anbieter benutzen Plattformen wie Temu, um über unkontrollierte Paketsendungen mit einem Wert unter 150 € Matratzen zu Dumping-Preisen im europäischen Markt zu verkaufen. Die Preise liegen bis zu 45 % unter dem Preis einer vergleichbaren Matratze im chinesischen Markt.
9. Aufklärung der Verbraucher: Informationskampagnen zur Sensibilisierung der Endverbraucher aufsetzen. Inhalte: mangelnde Produktsicherheit, mindere Qualität (Produkteigenschaften weichen teilweise massiv vom Werbeversprechen ab), kein verlässliches Reklamationsmanagement. Zudem Qualitätssiegel „Made in Germany“ stärker bewerben.
Immer informiert bleiben:
Abonnieren Sie den Haustex-Newsletter