01.01.2026
„Unsere regionale Verwurzelung schafft die Voraussetzung für unsere Qualität“
Haustex: Im vergangenen Sommer haben Sie den Generationswechsel offiziell abgeschlossen. Eine wichtige Zäsur für jedes Familienunternehmen. Was bedeutet dieser Schritt für Formesse?
Matthias Jaschke: Es war tatsächlich ein sehr bedeutender Moment. Wir haben den Übergang ja bewusst sehr langfristig geplant: Vor rund 15 Jahren bin ich ins Unternehmen eingestiegen, fünf Jahre später folgte meine Frau Sonja. Seitdem haben wir Schritt für Schritt mehr Verantwortung übernommen. Im Sommer haben wir meinen Vater und meine Stiefmutter mit der gesamten Familie und Belegschaft aus der aktiven Geschäftsführung verabschiedet. Das war ein emotionales, aber auch sehr schönes Ereignis.
Haustex: Ein Abschied nach vielen Jahren an der Spitze – das geht sicher nicht spurlos an einem vorüber.
Matthias Jaschke: Natürlich war das vor allem für meinen Vater ein bewegender Moment. Gemeinsam mit meiner Stiefmutter hat er Formesse über Jahrzehnte geprägt und sicher durch einige Krisen manövriert. Gleichzeitig hat er uns immer vermittelt, dass er das Unternehmen mit einem sehr guten Gefühl übergibt – zum richtigen Zeitpunkt, in einem sehr stabilen Zustand. Das ist ein großes Geschenk.
Haustex: Ein wichtiger Kern dieser stabilen Basis ist die tiefe Verwurzelung von Formesse im Schwarzwald – und das seit über 75 Jahren. Können Sie die Unternehmensgeschichte kurz zusammenfassen?
Matthias Jaschke: Die beginnt in gewisser Weise schon mit meinem Urgroßvater, der hier in der Region Arbeitskleidung hergestellt hat. Seine Tochter - meine Großmutter also – hat dann 1947 gemeinsam mit ihrem Mann das Unternehmen Formesse in der heutigen Form gegründet. Mein Vater hat den Betrieb übernommen und nun an mich weitergegeben.
Haustex: Als dritte Generation: Welche Bedeutung hat Verbundenheit zu der Region Schwarzwald für Sie?
Matthias Jaschke: Unsere regionale Verwurzelung ist kein Imagefaktor, sondern Voraussetzung für unsere Qualität. Wir sind hier mitten in der traditionellen Textilregion in der wir noch Menschen finden, die das Handwerk beherrschen, die Geduld und Fingerfertigkeit mitbringen und eine natürliche Verbundenheit mit Material und Präzision haben. Diese Haltung prägt ein Produkt enorm.
Haustex: Wie wirkt sich die regionale Verbundenheit konkret auf die Produktqualität aus?
Sonja Jaschke: Viele unserer Mitarbeiter sind seit 30 oder 40 Jahren im Unternehmen. Auch mit Lieferanten und Lohnfertigern arbeiten wir oft über Generationen zusammen. Diese gewachsenen Beziehungen schaffen Vertrauen und ermöglichen eine enge, effiziente Zusammenarbeit – und genau das macht es möglich, trotz höherer Kosten regional zu produzieren und die Firma und unsere Produkte kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Haustex: Halten Sie deshalb so konsequent am Standort fest?
Sonja Jaschke: Ganz genau, regionale Herstellung ist für uns kein Selbstzweck. Sie ist der Kern unseres Unternehmens. Unsere Kunden spüren die Verlässlichkeit und die gleichbleibend hohe Qualität, auch wenn ihnen der Ursprung nicht immer bewusst ist. Zudem tragen wir Verantwortung für ein Netzwerk aus Mitarbeitern, Lieferanten und Partnern, das sich über Jahrzehnte entwickelt hat.
Haustex: Was bedeutet dieser Ansatz für Ihr Sortiment?
Matthias Jaschke: Wir konzentrieren uns auf das, was wir selbst herstellen können. Wir kaufen keine Produkte zu, nur um das Sortiment zu erweitern. Unser Anspruch ist ein eigenständiges, hochwertiges Programm: Spannbettlaken, Schonbezüge, Sommerdecken. Alles gestrickt, funktional und in einer Vielfalt von Maßen, die kein Produzent am anderen Ende der Welt in solchen Mengen fertigen könnte.
Haustex: Die klare Konzentration auf die eigene Fertigung und das spezielle Produktspektrum rücken das Thema Qualität in den Mittelpunkt. Was bedeutet das in der Praxis?
Sonja Jaschke: Dass unsere Produkte absolut perfekt sein müssen. Die Passform, die Langlebigkeit und die Farbbrillanz entstehen durch ein anspruchsvolles und über Jahrzente perfektioniertes Zusammenspiel vom Stricken, Ausrüsten und Konfektionieren. Der faltenfreie Sitz ist das Ergebnis dieser Sorgfalt. Auch innerhalb der einzelnen Produktionsschritte muss sehr sorgfältig und achtsam gearbeitet werden. Das Zusammenspiel aus Farbe, Hitze und Wasser in der Ausrüstung zum Beispiel ist technisch komplex. Wir gehen diesen Prozess sehr vorsichtig an, damit das Elasthan elastisch bleibt und sauber mit dem Jersey arbeitet.
Haustex: Wenn Qualität so stark von Präzision und Sorgfalt abhängt: Wie sieht die Lieferkette aus, die diese Standards ermöglicht?
Sonja Jaschke: Unsere Lieferkette ist bewusst schlank gehalten und basiert auf langjährigen Partnerschaften. Alles beginnt mit unserem Garn aus Indien: extra langstapelige, verzwirnte und gasierte Baumwolle. Diesen besonders glatten, hochwertigen Zwirn können weltweit nur wenige Spinnereien in der benötigten Qualität liefern. Mit viel technischem und textilem Know-how verstrickt wird es anschließend auf der Schwäbischen Alb bei einem Familienunternehmen, mit dem wir seit zwei Generationen zusammenarbeiten. Die Ausrüstung – auch ein sehr anspruchsvoller Schritt – erfolgt ebenfalls in Deutschland. Hier muss das Gestrick mit unserem besonders schonendem Färbe- und Veredelungsverfahren weiter verarbeitet werden, damit unsere Stoffe ihre Elastizität und Rücksprungkraft und später perfekt sitzen. Danach gelangen die Stoffballen entweder in unsere Konfektionen im Schwarzwald und im Elsass oder zu spezialisierten Konfektionären auf der schwäbischen Alb und in Polen. Dort entsteht in echter Handarbeit das fertige Produkt: Das Material ist lebendig und elastisch, und gerade bei kleinen Mengen oder Details wie dem exakt abgestimmten Gummibund braucht es erfahrene Hände. Automatisieren lässt sich das nicht – und genau das macht unsere Qualität aus.
Haustex: Sind diese handwerklichen Arbeiten heute noch leicht zu besetzen?
Matthias Jaschke: Ehrlich gesagt: nein. Der Beruf ist körperlich anstrengend. Gerade das Legen schwerer Stofflagen ist ein Knochenjob. Dass wenige Menschen solche Tätigkeiten noch ausüben wollen, überrascht nicht. Glücklicherweise haben wir aber kaum Fluktuation in unserem Betrieb.
Sonja Jaschke: Damit das auch so bleibt, investieren wir viel in gute Arbeitsbedingungen. Wertschätzung, ein heller Arbeitsplatz, ein guter Aufenthaltsraum, eine angenehme Atmosphäre – das spielt eine große Rolle. Wir arbeiten familiär miteinander. Und die Menschen wissen, dass sie hier nicht nur gebraucht, sondern respektiert werden.
Haustex: Am Ende der Lieferkette steht das fertige Produkt. Im Zentrum Ihres Sortiments steht zweifellos Bella Donna Jersey.
Sonja Jaschke: Ja, Bella Donna Jersey gibt es seit mehr als 30 Jahren. Als wir damit gestartet sind, existierte das Segment praktisch noch gar nicht: ein hochwertiges, langlebiges Jersey-Spannbettlaken mit Elasthan. Das Produkt entstand damals aus einem konkreten Bedarf – als Wasserbetten populär wurden und die gängigen Laken schlicht nicht passten. Anfangs war der Fachhandel skeptisch, doch über die Jahre haben wir das Segment maßgeblich geprägt.
Haustex: Was macht Bella Donna Jersey aus marktstrategischer Sicht so erfolgreich?
Matthias Jaschke: Spannbettlaken sind eigentlich Low-Involvement-Produkte. Aber wenn man es schafft, die zugrundeliegende Materialqualität, das Herzblut und die darauf verwendete Sorgfalt zu vermitteln, entsteht Markenbindung. Viele Kundinnen und Kunden kommen über Empfehlungen. Das zeigt, wie stark Produkt und Marke miteinander verbunden sind.
Haustex: Der Fokus auf dem Segment ist geblieben, das Sortiment hat sich inzwischen aber deutlich erweitert. Wie gliedert sich die Formesse-Kollektion heute?
Sonja Jaschke: Bella Donna Jersey ist und bleibt unser Klassiker. Zudem haben wir aber Varianten geschaffen, die jeweils auf spezifische Bedürfnisse eingehen oder den Einstieg in die Welt der Luxus-Spannbettlaken ermöglichen. Die Philosophie dahinter lautet: unterschiedliche Zielgruppen, aber ein gleichbleibend hoher Qualitätsstandard.
Haustex: Ein Beispiel dafür ist Bella Donna Premium. Was unterscheidet diese Qualität vom klassischen Jersey?
Matthias Jaschke: Bella Donna Premium basiert auf demselben hochwertigen Grundgarn, durchläuft aber eine zusätzliche Veredelungsstufe: die Merzerisierung. Dabei kommt der Stoff in ein kontrolliertes Laugenbad. Die Baumwollfaser quillt auf, wird glatter, stabiler und erhält einen dezenten, eleganten Schimmer. Das ist kein Satin-Glanz, sondern ein sehr feines Finish. Zudem wird das Material noch langlebiger, weil die glatte
Oberfläche weniger Angriffsfläche bietet.
Haustex: Neben Jersey und Premium gibt es noch weitere Linien. Was ist hier die Idee?
Matthias Jaschke: Bella Gracia ist der Einstieg in die Formesse-Welt: etwas leichter, aber trotzdem mit unserer typischen Qualität. Ideal für alle, die Formesse kennenlernen wollen. Und Bella Donna Edel-Frottee ist perfekt für alle, die Frottee lieben, aber in einer edlen Optik: kuschelig, weich und dennoch hochwertig verarbeitet.
Haustex: Ihr jüngstes Produkt ist Bella Donna Pure. Was war die Idee dahinter?
Sonja Jaschke: Wir haben uns gefragt: Wie lässt sich ein besonders nachhaltiges Spannbettlaken entwickeln – ohne Elasthan und ohne Zusatzstoffe? Die Antwort war eine spezielle Stricktechnik, die auch ohne Elasthan genügend Flexibilität bietet. Pure hat eine leicht leinenartige Struktur durch runde, voll ausgestrickte voluminöse Maschen. Es wirkt natürlicher und reduziert. Gefärbt wird Bella Donna Pure mit Naturfarbstoffen: Blauholzbaum für Beige, Krappwurzel für Rosé. Hinzu kommt ein ungefärbtes Naturweiß.
Haustex: Auch über die neue Linie hinaus, spielt das Thema Nachhaltigkeit bei Formesse eine bedeutende Rolle. Welche konkreten Maßnahmen verfolgen Sie als Unternehmen?
Matthias Jaschke: Vieles ergibt sich aus unserem Standort Deutschland. Unsere Partner arbeiten seit Jahrzehnten mit Wärmerückgewinnung, isolierten Kesseln und hochkomplexer Abwasseraufbereitung. Wir selbst setzen auf Photovoltaik, ein naturnahes Firmengelände und immer nachhaltigere Verpackungen. Aber ehrlich gesagt: Die großen Stellschrauben liegen nicht mehr hier, sondern in der Rohware.
Sonja Jaschke: Genau. Unser Vorteil ist das extrem hohe Niveau aller beteiligten Betriebe in Deutschland. Wirklich weiter optimieren können wir fast nur noch an der Baumwolle selbst.
Haustex: Weshalb ist die Baumwolle der entscheidende Faktor?
Matthias Jaschke: Weil sie der mit Abstand größte CO₂- und Ressourcenfaktor in unserer Bilanz ist. Wir haben das gemeinsam mit ClimatePartner berechnet. Das ist ein Unternehmen, das andere Unternehmen dabei unterstützt, ihre Treibhausgasemissionen zu bilanzieren, zu reduzieren und unvermeidbare Emissionen auszugleichen. Den Ergebnissen zufolge wäre der Umstieg auf wirklich hochwertige Biobaumwolle der stärkste Hebel – aber die Qualität am Markt ist häufig für uns nicht ausreichend und durch das geringe Angebot auch deutlich teurer.
Sonja Jaschke: Deshalb ist uns auch ein Projekt mit dem „Bündnis für nachhaltige Textilien“, für das wir uns in Indien engagieren, so wichtig. Dieses Bündnis ist eine freiwillige Partnerschaft aus Unternehmen, Verbänden, NGOs, Gewerkschaften, Standard-Organisationen und der deutschen Bundesregierung. Ziel ist es, durch freiwillige, gemeinsam definierte Regeln und Monitoring eine nachhaltigere, gerechtere Textil- und Bekleidungsindustrie zu ermöglichen – sozial, ökologisch und transparent. Aktuell engagieren wir uns bei der Partnerschaftsinitiative Bio-Baumwolle in Indien – Die Initiative wurde im Rahmen des Textilbündnisses ins Leben gerufen, um die Umstellung von konventionellem auf Bio-Baumwollanbau zu fördern.
Haustex: Nachhaltigkeit betrifft auch das Thema Verpackung. Sie haben Ihre Verpackungen umfassend überarbeitet – was war der Auslöser?
Matthias Jaschke: Wir wollten eine Lösung, die nachweisbar ökologischer ist und gleichzeitig im Regal gut aussieht. Ein Stoffbeutel wäre zwar plastikfrei, hätte aber eine deutlich schlechtere CO₂-Bilanz und landet am Ende ebenfalls im Müll. Also haben wir lange getestet – und sind mit unserer plastikfreien Banderole nun rundum zufrieden. Sie besteht zu rund 95 Prozent aus Recyclingpapier, wird komplett ohne Bleichmittel
hergestellt und ausschließlich mit mineralölfreien Farben bedruckt.
Haustex: Dennoch haben Sie den Fachhandel mit der neuen Verpackung vor Herausforderungen gestellt.
Matthias Jaschke: Das eine solche Umstellung für Händler aufwendig ist, wissen wir und wir sind dankbar, dass so viele Fachhändler diesen Weg mit uns gegangen sind! Regale müssen umsortiert und Lagerbereiche neu strukturiert werden. Aber für uns war entscheidend, dass das Produkt sichtbar und fühlbar bleibt – und nicht in einer blickdichten Schachtel verschwindet. Die Qualität zeigt sich erst durch das Anfassen. Und
davon profitiert auch der Fachhandel.
Haustex: Formesse gilt als ausgesprochen fachhandelsorientiertes Unternehmen. Warum ist dieser Kanal für Sie so zentral?
Matthias Jaschke: Weil unsere Produkte erklärungsbedürftig sind. Man muss sie fühlen, dehnen, spüren, um die Qualität wirklich zu begreifen. Das gelingt nicht auf der Großfläche, wo der Kunde vor allem auf das Preisschild achtet. Im Fachhandel gibt es Verkäuferinnen und Verkäufer, die mit Überzeugung erklären, worin der Unterschied besteht – und die Kundinnen danken es mit einer hohen Wiederkaufrate.
Haustex: Damit der Fachhandel erfolgreich verkaufen kann, braucht er fundiertes Wissen über Ihr Sortiment. Wie unterstützen Sie ihn dabei?
Sonja Jaschke: Unsere selbstständigen Handelsvertretungen sind ein zentraler Baustein. Sie sind regelmäßig vor Ort, schulen die Teams und vermitteln alle wichtigen Details rund um Passformen, Qualitäten oder Farbwelten. Dazu stellen wir umfangreiche Verkaufsunterlagen bereit. Gleichzeitig sehen wir, dass jüngere Mitarbeiter anders lernen – weniger durch lange Texte, mehr über kurze, anschauliche Formate. Deshalb wollen wir in Zukunft verstärkt mit Videoclips arbeiten.
Haustex: Was möchten Sie dem Fachhandel insgesamt mit auf den Weg geben?
Matthias Jaschke: Wir wollen weiterhin gemeinsam mit dem Fachhandel partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Und das meinen wir wörtlich: Wir haben keinen eigenen Onlinehandel, keinen eigenen Endkundenshop, keinen Direktvertrieb. Wir verkaufen konsequent und ausschließlich
über den Fachhandel.
Haustex: Regionale Produktion, hoher Qualitätsanspruch, enge Partnerschaften sind die Säulen Ihrer Strategie. Wenn Sie in die Zukunft blicken: Bleibt es dabei, oder stehen Veränderungen an?
Matthias Jaschke: Unsere Richtung bleibt eindeutig. Wir wollen weiterhin so regional produzieren wie heute. Das ist nicht nur ein Markenversprechen, sondern wesentlich für die Qualität unserer Produkte. Wenn wir die Firma irgendwann einmal weitergeben können und sie produziert immer noch auf diesem Niveau – dann haben wir erreicht, was unser größter Wunsch ist.
Formesse in Kürze
Formesse GmbH & Co. KG
Sägestraße 1
79843 Löffingen
Telefon: +49 7654 91 12-0
E-Mail: kontakt @ formesse.de
Internet: www.formesse.de
Geschäftsführer: Matthias Jaschke
Produkte: Spannbettlaken, Schonbezüge, Sommerdecke, Kissenbezüge, Kissenschonbezüge
Vertriebskanal: Fachhandel