05.01.2026

IFH Köln: Studie zur Zukunft des Handels

Wie wird sich der deutsche Handel bis 2031 entwickeln? Dieser Frage ist das IFH Köln nachgegangen. Seine Studie „Handelsszenario 2030+“ zeigt: 2024 wurden nur noch etwa 64 Prozent klassischer Umsatz mit Waren im stationären Handel gemacht und zwischen 2025 und 2031 sind durchschnittliche jährliche Wachstumsraten zwischen 1,9 und 3,4 Prozent zu erwarten. Vor allem unter Druck: Innenstädte und Nonfood-Handel.

Die Lage bleibt laut IFH angespannt: Bei einem nominalen Wachstum von 4,1 Prozent pro Jahr zwischen 2019 und 2024 ergab sich nach starken Preisanstiegen real nur ein Plus von 0,2 Prozent jährlich. Zudem verschiebt sich der Umsatzschwerpunkt deutlich: 2024 wurden lediglich 63,6 Prozent der Umsätze mit Waren der Kernbranchen – z. B. Wohnen & Einrichten, DIY & Garten – in Verkaufsräumen erzielt. Die übrigen Anteile entfallen auf Nicht-Kernbranchen, den Onlinehandel über alle Formate, Großhandel, Export sowie Dienstleistungen und Gebrauchtwaren. Für 2025 wird ein weiterer Rückgang auf 62,9 Prozent prognostiziert. Diese und weitere zentrale Erkenntnisse zum deutschen Handel liefert das „Handelsszenario 2030+“ des IFH Köln.

„Der Konsum verlagert sich spürbar: Reiner Produktverkauf verliert relativ an Bedeutung, Services gewinnen an Relevanz. Haushalte investieren zunehmend in handelsferne Segmente wie Gesundheit, Freizeit und andere Dienstleistungen und auch der Handel erschließt neue Umsatzquellen jenseits klassischer Waren. Die entscheidende Frage für Händler lautet: Wie gelingt es, zusätzliche Wertschöpfung zu generieren?“, so Dr. Susanne Eichholz-Klein, Mitglied der Geschäftsleitung am IFH Köln.
Die Studie beschreibt zwei zentrale Entwicklungspfade für den deutschen Handel, die sich aus Handelswachstum, Angebotsstruktur, Konsumstimmung und den Bedürfnissen der Konsument:innen ableiten. Im Preisszenario stehen Versorgungskonsum und budgetorientierte Ausgaben im Vordergrund. Für diesen Pfad erwarten die Handelsexperten eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 1,9 Prozent im Zeitraum von 2025 bis 2031. Demgegenüber setzt das Mehrwertszenario ganzheitlich an: Im Gegensatz zum Preisfokus allein, sind Zusatznutzen über Produkte und Dienstleistungen zu stiften. Handel und Hersteller entwickeln im Idealfall gemeinsam Lösungsansätze, um das individuelle Einkaufserlebnis emotional aufzuwerten. Für dieses Szenario wird ein höheres Wachstum prognostiziert − mit einer jährlichen Wachstumsrate von 3,4 Prozent.

„Der Handel braucht ein neues Verständnis von Unternehmertum: Entscheidend ist, Kunde und Produkt gemeinsam zu denken – dort, wo neue Mehrwerte entstehen können. Es geht weniger um Effizienz, sondern um die Emotionalisierung des Angebots. Das gelingt durch aktuelle Trendthemen, Convenience oder besondere Erlebnis- und Wohlfühlmomente. Zu den zentralen Mehrwerttreibern zählen Gesundheit, Longevity, Nachhaltigkeit und Innovation – jeweils mit branchenspezifischer Ausprägung“, erklärt Boris Hedde, Geschäftsführer am IFH Köln.

Besonders unter Druck stehen der stationäre Nonfood-Handel und die Innenstädte. Seit 2019 wurden rund 50.000 Verkaufsstellen abgebaut und die lokal für Handelsunternehmen nutzbare Kundenfrequenz sinkt. Gleichzeitig bleibt ein großes Kundenpotenzial ungenutzt: 38 Prozent der Konsumenten konsumieren grundsätzlich gerne und generieren 31 Prozent des Handelsumsatzes. Dennoch wird ihr Kaufverhalten aktuell gebremst – vor allem aus finanziellen Gründen, aber auch, weil das Angebot nicht überzeugt.

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Foto/Grafik: Handelsszenario 2030+, IFH Köln, 2025.
Mögliche Wachstumsszenarien im Einzelhandel.
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