Haustex - 11/21

Matratzen: Werbung für echte Kreislaufwirtschaft

Haustex: Herr Reuter, das Kompetenzzentrum Textil+Sonnenschutz hat eine Website zum Thema Kreislaufwirtschaft entwickelt. Was ist das Ziel dieses Online-Angebotes?

Matthias Reuter: Mit unserer Landingpage kreislaufwirtschaft.eu wollen wir einen Beitrag zur Vernetzung aller Akteure leisten, denn darin sehen wir eine unbedingte Voraussetzung, um die Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft in den von uns vertretenen Branchen erfolgreich zu meistern. Außerdem zeigen wir dort unsere Aktivitäten, stellen unsere Partner vor. Ganz wichtig ist uns aber auch unser Glossar: Das verstehen wir als wachsendes Dokument, mit dem wir zur Klärung in einem Dschungel von unterschiedlich genutzten oder definierten Fachbegriffen beitragen. Bei einigen Begriffen, wie der „echten Kreislaufwirtschaft“ geht es uns auch darum, mit unserer Definition eine Benchmark zu setzten und so zu einem geänderten Verständnis beizutragen.

Haustex: Matratzen sind mit Blick auf die Wiederverwertung ein kompliziertes Gut. Und wenn sie an den Endkunden verkauft sind, verliert der Hersteller sie endgültig aus dem Blick. Was heißt das für die Kreislauffähigkeit von Matratzen?

Reuter: Das heißt vor allem, dass wir den Mut haben müssen, uns von bestehenden Prozessen zu lösen und neue Wege zu beschreiten. Ein Hersteller, der eine nachhaltige Matratze mit kreislauffähigen Materialien auf den Markt bringt, wird am Ende ein Interesse daran haben, diese Materialien auch wieder zurückzubekommen und als Sekundärrohstoff in seine Produktion einfließen zu lassen. Gerade auch mit Blick auf die aktuellen Probleme bei der Versorgungslage mit Rohstoffen, ist damit zu rechnen, dass diese Stoffströme an Attraktivität – nicht nur für den Recycler, sondern auch für den Hersteller gewinnen werden. Eine Voraussetzung, damit sich hier ganz neue Strukturen etablieren können, ist die Traceability, also Rückverfolgbarkeit von Produkten, die es erlaubt, auch am Ende der Nutzungsdauer nachzuvollziehen, woher dieses Produkt kommt, welche Stoffe darin enthalten sind, welche Recyclingverfahren dafür zur Verfügung stehen.

Haustex: Für viele Menschen erscheint es am bequemsten, sperrige Matratzen mit dem Sperrmüll zu entsorgen. Wie schätzen Sie aus Verbandssicht die Sensibilität von Handel und Endverbrauchern für das Thema Kreislaufwirtschaft ein?

Reuter: Unsere Mitgliederbefragung hat recht eindrücklich gezeigt, dass für die Hersteller die Sensibilität von Handel und Verbrauchern noch nicht deutlich genug ausgeprägt ist. Für die drei abgefragten Produktklassen Produkte aus recycelten Materialien, aus biobasierten Materialien und Circular Design Produkte zeigt sich bei Händlern und Verbrauchern ein geringes Nachhaltigkeitsbewusstsein und eine noch geringere Bereitschaft für Mehrwert auch mehr zu zahlen!

Haustex: Was bedeutet das für die Industrie?

Reuter: Hersteller müssen künftig noch stärker mit Handel und Verbrauchern kommunizieren, um sie über die Vorteile nachhaltiger/kreislauffähiger Produkte zu informieren. Das Kompetenz-Zentrum Textil + Sonnenschutz sieht es als seine Aufgabe, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und z.B. bei Messeauftritten und in der Fachpresse Werbung für eine echte Kreislaufwirtschaft zu machen. Auch die Politik ist aufgefordert, durch gezielte Nachhaltigkeitskampagnen die Industrie in der Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen und Rahmenbedingungen zu ermöglichen – nicht zuletzt auch, um Verbraucher für „grünen Wandel“ zu stärken und dafür zu sorgen, dass Nachhaltigkeitsaussagen der Unternehmen (Green Claims) auch einheitlich belegt und somit nachvollziehbar werden. So sieht es auch der zweite Circular Economy Action Plan der EU von 2020 vor.

Das vollständige Interview mit Matthias Reuter lesen Sie in der Dezember-Ausgabe der Haustex.

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Matratzen: Werbung für echte Kreislaufwirtschaft
Foto/Grafik: Kompetenzzentrum Textil und Sonnenschutz
Matthias Reuter ist im Kompetenzzentrum Textil + Sonnenschutz für das Thema Kreislaufwirtschaft zuständig.
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